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Evaluationsergebnisse des Forschungsprojekts WEMO veröffentlicht

Der Evaluationsbericht zu den Wirkungen des Gewalthilfesystems in Sachsen-Anhalt zeigt zentrale Erkenntnisse, Herausforderungen und Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung der Schutz- und Unterstützungsangebote auf.

Mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Wirkungsorientierte Evaluation, Monitoring und Ombuds-/Vertrauensfunktion“ (WEMO) wurde das Hilfesystem zum Schutz von Frauen und ihren Kindern vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Sachsen-Anhalt erstmals umfassend wirkungsorientiert untersucht. Das Projekt wurde von der Zoom – Sozialforschung und Beratung GmbH unter Koordinierung der Leitstelle für Frauen- und Gleichstellungspolitik durchgeführt. Ziel war es, die Wirksamkeit der bestehenden Angebote wissenschaftlich zu untersuchen und Grundlagen für deren Weiterentwicklung sowie die Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Gewalthilfegesetzes zu schaffen.

Ministerin Petra Grimm-Benne betont die Bedeutung der Ergebnisse:

„Mit der Evaluation verfügen wir erstmals über eine wissenschaftliche Grundlage, die die Perspektive der Nutzerinnen systematisch einbezieht. Die Ergebnisse zeigen, welchen großen Unterschied die Arbeit der Fachkräfte für betroffene Frauen machen kann. Gleichzeitig erfahren wir mehr darüber, was Frauen den Zugang zu professioneller Unterstützung erleichtert oder erschwert. Wir müssen Barrieren und Scham abbauen, damit Hilfe in Anspruch genommen wird.“

Details zur Wirkungsevaluation

Im Mittelpunkt der Wirkungsevaluation stand insbesondere die Perspektive gewaltbetroffener Frauen. Untersucht wurde, inwieweit die bestehenden Schutz- und Unterstützungsangebote ihren individuellen Bedarfen entsprechen, wie zugänglich diese sind und welche Wirkungen die Hilfen sowohl in akuten Gewaltsituationen als auch langfristig entfalten.

Hierfür wurden unterschiedliche Perspektiven einbezogen: Neben Nutzerinnen der Schutz- und Beratungsangebote und Fachkräften des spezialisierten Hilfesystems beteiligten sich mehr als 1.000 gewaltbetroffene Frauen, die bislang keine entsprechenden Hilfen in Anspruch genommen hatten. Berücksichtigt wurden auch besonders vulnerable Gruppen, beispielsweise Frauen mit Beeinträchtigungen. Ergänzend wurden Einrichtungen außerhalb des spezialisierten Hilfesystems befragt und längerfristige Wirkungen der Unterstützungsangebote untersucht.

Die Evaluation verdeutlicht die zentrale Bedeutung des bestehenden Hilfesystems für die Sicherheit gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder, die Bewältigung von Gewaltfolgen und die Entwicklung gewaltfreier Lebensperspektiven. Gleichzeitig identifiziert der Bericht strukturelle Herausforderungen und konkrete Weiterentwicklungsbedarfe.

Dazu zählen insbesondere der Ausbau ambulanter Beratungsangebote, die Verbesserung der Zugänglichkeit von Schutz- und Unterstützungsangeboten für unterschiedliche Zielgruppen sowie die stärkere Sensibilisierung des sozialen Umfelds und der Öffentlichkeit. Während die Vermittlung durch die Polizei in das spezialisierte Hilfesystem vergleichsweise gut gelingt, führen Kontakte über das private Umfeld sowie über ärztliche und psychotherapeutische Fachkräfte deutlich seltener zu spezialisierten Hilfsangeboten.

Zentrale Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzerinnen mit der Unterstützung durch das Hilfesystem deutliche positive Veränderungen verbinden. Unter anderem gaben

  • 76 Prozent an, sich nicht mehr allein mit ihren Problemen zu fühlen,
  • 59 Prozent fühlten sich sicherer,
  • 56 Prozent verstanden ihre Situation besser,
  • 51 Prozent hatten weniger Angst,
  • 47 Prozent kannten ihre Rechte bzw. weitere Hilfemöglichkeiten besser,
  • 41 Prozent hatten neue Ideen für ihre Zukunft.

Sandra Kotlenga, Koordinatorin der Wirkungsevaluation der Zoom GmbH, hebt hervor:

„Die engagierte Arbeit von Frauenhäusern, Interventions- und Beratungsstellen zu häuslicher und sexualisierter Gewalt, des Mobilen Teams und von Vera macht einen großen Unterschied für die Nutzerinnen – für ihre Sicherheit, die Verarbeitung von Gewaltfolgen und ihre Chancen, gewaltfreie Perspektiven zu entwickeln.“

Neben der Evaluation wurden im Rahmen des Projekts ein wirkungsorientiertes Monitoringsystem sowie ein Konzept für eine Ombuds- und Vertrauensstelle entwickelt. Damit wurden weitere Grundlagen geschaffen, um die Qualität, Zugänglichkeit und Wirksamkeit des Hilfesystems künftig kontinuierlich zu überprüfen und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.

Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen insbesondere in die weitere Bedarfs- und Entwicklungsplanung sowie die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes in Sachsen-Anhalt einfließen.

Der vollständige Evaluationsbericht mit den zentralen Ergebnissen und Handlungsempfehlungen steht nachfolgend zum Download zur Verfügung.

Wirkungsorientierte Evaluation des Gewalthilfesystems_Bericht

Wirkungsorientierte Evaluation des Gewalthilfesystems_Zusammenfassung

Ansprechpartnerin für fachliche Fragen zum Forschungsprojekt WEMO ist Ina Prager aus der Leitstelle für Frauen- und Gleichstellungspolitik, die das Projekt auf Seiten des Ministeriums fachlich koordiniert und begleitet hat.

FrauenOrte und Kinderbetreuung

Videoclip zur Frauen- und Gleichstellungspolitik in Sachsen-Anhalt –  zum Beispiel: Gute Kinderbetreuung und FrauenOrte