Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen
Häusliche Gewalt gehört mittlerweile zu den größten Gesundheitsrisiken für Frauen. Der Begriff „Häusliche Gewalt“ umfasst die Formen der physischen, sexuellen, psychischen, sozialen und emotionalen Gewalt, die zwischen erwachsenen Personen stattfindet, die in familiärer Beziehung zueinander stehen oder gestanden haben. Das sind in erster Linie Erwachsene in ehelichen oder nichtehelichen Lebensgemeinschaften, aber auch in anderen Verwandtschaftsverhältnissen. Gewalt in Partnerschaften verursacht nicht nur enormes Leid bei den Opfern, sondern bedroht auch deren Leben und Gesundheit.
Seit einiger Zeit ist ein neues Phänomen, bezeichnet als „Stalking“, zu beobachten. Darunter fallen Handlungen wie fortgesetzte Verfolgung, das Überwachen und Beobachten einer Person, unerwünschte Versuche körperlich oder verbal mit der Person Kontakt aufzunehmen, obsessives Auflauern und Nachstellen, wiederholte Anrufe oder Senden von Briefen, Faxen oder E-Mails und ebenso eine häufige demonstrative Anwesenheit in der Nähe des Opfers, wiederholte und dauerhafte Belästigung, bei dem die Täter ihre Opfer in Angst und Panik versetzen. Dazu gehören auch Drohungen gegenüber ihren Familienangehörigen, Ausspionieren der Wohnung und des Lebenswandels, unerwünschte Kontakte am Arbeitsplatz oder Zusendung von Geschenken oder Warenbestellungen etc. In schweren Fällen kann dies von tätlichen Übergriffen, sexueller Nötigung oder bis zu Mord reichen. Stalkingverhaltensweisen sind insbesondere in der Trennungsphase einer gewalttätigen Beziehung zu erwarten. Stalkinghandlungen beeinträchtigen die persönliche Lebensgestaltung schwerwiegend. Stalking kann unter Umständen über viele Monate bis Jahre andauern. Zum Schutz vor beharrlichen Nachstellungen (Stalking) wurde mit dem Gesetz zur Strafbarkeit beharrlicher Nachstellungen vom 31.07.2007 ein eigener Straftatbestand für unbefugte Nachstellungen im § 238 Strafgesetzbuch aufgenommen, der eine bessere strafrechtliche Verfolgung der Täter ermöglicht.
Weitere Informatuiben zum Schutz von Frauen gegen Gewalt finden Sie hier ...
Beratungs- und Unterstützungsangebote
Beratungs- und Unterstützungsangebote finden Sie unter folgenden Stichwörtern:
Psychosoziale Prozessbegleitung
Für Opfer von Straftaten und deren Angehörigen, die besonders schutzbedürftig sind, steht ein spezielles Angebot zur Verfügung: die psychosoziale Prozessbegleitung. Hier übernehmen besonders qualifizierte Fachkräfte die professionelle Betreuung und Begleitung verletzter Zeuginnen und Zeugen im Strafverfahren.
Ausführliche Informationen sowie Antragsformulare zur Tätigkeit in der psychosozialen Prozessbegleitung finden Sie über diesen Link. Dort finden Sie auch das Verzeichnis der anerkannten psychosozialen Prozessbegleiterinnen und -begleiter.
Opferhilfe und Opferrechte
Veröffentlichung der Evaluationsergebnisse des Forschungsprojekts WEMO (2024–2026) Erste wirkungsorientierte Evaluation des Hilfesystems zum Schutz von Frauen und ihren Kindern vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Sachsen-Anhalt
Mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Wirkungsorientierte Evaluation, Monitoring und Ombuds-/Vertrauensfunktion“ (WEMO) wurde das Hilfesystem zum Schutz von Frauen und ihren Kindern vor geschlechtsspezifischer Gewalt in Sachsen-Anhalt erstmals umfassend wirkungsorientiert untersucht. Das Projekt wurde von der Zoom – Sozialforschung und Beratung GmbH unter Koordinierung der Leitstelle für Frauen- und Gleichstellungspolitik durchgeführt. Ziel war es, die Wirksamkeit der bestehenden Angebote wissenschaftlich zu untersuchen und Grundlagen für deren Weiterentwicklung sowie die Umsetzung der Istanbul-Konvention und des Gewalthilfegesetzes zu schaffen.
Ministerin Petra Grimm-Benne betont die Bedeutung der Ergebnisse:
„Mit der Evaluation verfügen wir erstmals über eine wissenschaftliche Grundlage, die die Perspektive der Nutzerinnen systematisch einbezieht. Die Ergebnisse zeigen, welchen großen Unterschied die Arbeit der Fachkräfte für betroffene Frauen machen kann. Gleichzeitig erfahren wir mehr darüber, was Frauen den Zugang zu professioneller Unterstützung erleichtert oder erschwert. Wir müssen Barrieren und Scham abbauen, damit Hilfe in Anspruch genommen wird.“
Details zur Wirkungsevaluation
Im Mittelpunkt der Wirkungsevaluation stand insbesondere die Perspektive gewaltbetroffener Frauen. Untersucht wurde, inwieweit die bestehenden Schutz- und Unterstützungsangebote ihren individuellen Bedarfen entsprechen, wie zugänglich diese sind und welche Wirkungen die Hilfen sowohl in akuten Gewaltsituationen als auch langfristig entfalten.
Hierfür wurden unterschiedliche Perspektiven einbezogen: Neben Nutzerinnen der Schutz- und Beratungsangebote und Fachkräften des spezialisierten Hilfesystems beteiligten sich mehr als 1.000 gewaltbetroffene Frauen, die bislang keine entsprechenden Hilfen in Anspruch genommen hatten. Berücksichtigt wurden auch besonders vulnerable Gruppen, beispielsweise Frauen mit Beeinträchtigungen. Ergänzend wurden Einrichtungen außerhalb des spezialisierten Hilfesystems befragt und längerfristige Wirkungen der Unterstützungsangebote untersucht.
Die Evaluation verdeutlicht die zentrale Bedeutung des bestehenden Hilfesystems für die Sicherheit gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder, die Bewältigung von Gewaltfolgen und die Entwicklung gewaltfreier Lebensperspektiven. Gleichzeitig identifiziert der Bericht strukturelle Herausforderungen und konkrete Weiterentwicklungsbedarfe.
Dazu zählen insbesondere der Ausbau ambulanter Beratungsangebote, die Verbesserung der Zugänglichkeit von Schutz- und Unterstützungsangeboten für unterschiedliche Zielgruppen sowie die stärkere Sensibilisierung des sozialen Umfelds und der Öffentlichkeit. Während die Vermittlung durch die Polizei in das spezialisierte Hilfesystem vergleichsweise gut gelingt, führen Kontakte über das private Umfeld sowie über ärztliche und psychotherapeutische Fachkräfte deutlich seltener zu spezialisierten Hilfsangeboten.
Zentrale Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzerinnen mit der Unterstützung durch das Hilfesystem deutliche positive Veränderungen verbinden. Unter anderem gaben
- 76 Prozent an, sich nicht mehr allein mit ihren Problemen zu fühlen,
- 59 Prozent fühlten sich sicherer,
- 56 Prozent verstanden ihre Situation besser,
- 51 Prozent hatten weniger Angst,
- 47 Prozent kannten ihre Rechte bzw. weitere Hilfemöglichkeiten besser,
- 41 Prozent hatten neue Ideen für ihre Zukunft.
Sandra Kotlenga, Koordinatorin der Wirkungsevaluation der Zoom GmbH, hebt hervor:
„Die engagierte Arbeit von Frauenhäusern, Interventions- und Beratungsstellen zu häuslicher und sexualisierter Gewalt, des Mobilen Teams und von Vera macht einen großen Unterschied für die Nutzerinnen – für ihre Sicherheit, die Verarbeitung von Gewaltfolgen und ihre Chancen, gewaltfreie Perspektiven zu entwickeln.“
Neben der Evaluation wurden im Rahmen des Projekts ein wirkungsorientiertes Monitoringsystem sowie ein Konzept für eine Ombuds- und Vertrauensstelle entwickelt. Damit wurden weitere Grundlagen geschaffen, um die Qualität, Zugänglichkeit und Wirksamkeit des Hilfesystems künftig kontinuierlich zu überprüfen und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.
Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen insbesondere in die weitere Bedarfs- und Entwicklungsplanung sowie die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes in Sachsen-Anhalt einfließen.
Der vollständige Evaluationsbericht mit den zentralen Ergebnissen und Handlungsempfehlungen steht nachfolgend zum Download zur Verfügung.
Wirkungsorientierte Evaluation des Gewalthilfesystems_Bericht
Wirkungsorientierte Evaluation des Gewalthilfesystems_Zusammenfassung
Ansprechpartnerin für fachliche Fragen zum Forschungsprojekt WEMO ist Ina Prager aus der Leitstelle für Frauen- und Gleichstellungspolitik, die das Projekt auf Seiten des Ministeriums fachlich koordiniert und begleitet hat.
